Fachwirt:in im E-Commerce

Bewährt in der Praxis, mit strategischem Weitblick: Fachwirtinnen und Fachwirte im E-Commerce übernehmen Verantwortung für die Unternehmensentwicklung in den Online-Kanälen. Der Berufsabschluss ist die ideale Aufstiegsqualifikation für Praktiker im E-Commerce.

Was ist ein Fachwirt im E-Commerce?

Der E-Commerce-Fachwirt ist ein neuer, bundesweit einheitlicher Fortbildungsberuf. Er ist am 5. Dezember 2019 mit der "Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Fachwirt im E-Commerce und Geprüfte Fachwirtin im E-Commerce" erlassen worden und mit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 11. Dezember 2019 in Kraft getreten.

Formal handelt es sich bei der Prüfung um einen höheren kaufmännischen Bildungsabschluss. Die Prüfung selbst findet bundesweit an den Industrie- und Handelskammern statt. Während an Hochschulen Klausuren und Abschlussarbeiten sowie der im  Verlauf des Studiums absolvierte Stoff stark variieren, normiert die Prüfungsordnung die von einem Fachwirt zu erwartenden Kompetenzen und Fähigkeiten. 

Was macht ein E-Commerce-Fachwirt?

Der neue Fortbildungs-Abschluss „Fachwirt/in im E-Commerce“ attestiert den Absolventen Kompetenzen in 4 übergeordneten Bereichen:

  • Strategien für den E-Commerce entwickeln
  • E-Commerce-Prozesse gestalten
  • Prozesse im E-Commerce analysieren und weiterentwickeln
  • Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern sicherstellen

 

Die Verordnung nennt dabei 10 Bereiche der sog. „erweiterten Handlungsfähigkeit“ im E-Commerce:

  1. Steuern und Weiterentwickeln des E-Commerce im Unternehmen, 
  2. Kalkulieren und Planen von nationalen und internationalen Geschäften, 
  3. Planen und Bewirtschaften des Waren- oder Dienstleistungssortiments, 
  4. Analysieren von Veränderungen des Kundenverhaltens, Beurteilen der Auswirkungen dieser Veränderungen, Entwickeln und Durchsetzen von Verbesserungsmaßnahmen, 
  5. Planen und Steuern von Marketingkonzepten, 
  6. Kooperieren mit Geschäftspartnern und internen Unternehmensbereichen, Gestalten einer kunden- und dienstleistungsorientierten Kommunikation, 
  7. Führen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und Fördern ihrer beruflichen Entwicklung, 
  8. Organisieren und Durchführen der Berufsausbildung, 
  9. Analysieren der Ablauforganisation, Ableiten von Veränderungsoptionen sowie Einleiten von Verbesserungsmaßnahmen, 
  10. Umsetzen des Qualitätsmanagements und Fördern der Nachhaltigkeit im E-Commerce. 

 

Diese Beschreibung erfasst die Führungsaufgaben, die von Fachwirten wahrgenommen werden. Sie betreffen potentiell die gesamten E-Commerce-Aktivitäten eines Unternehmens, insofern als der E-Commerce-Fachwirt die Umsetzung der im Unternehmen abgestimmten Strategien durch Mitarbeiter und Dienstleister verantwortet.

Während Fachkräfte ihnen zugewiesene Aufgaben im Zusammenhang mit der Organisation der Produktdaten, der Ausgestaltung der Onlinevertriebskanäle, der Werbung oder der Erbringung von Servicedienstleistungen ausführen, legt der Fachwirt die Aufgabenstellungen für die Mitarbeiter fest. Er ist in hohem Maß für die Analyse neuer Geschäftsmodelle und sich verändernder Wettbewerbssituationen im Online-Vertrieb verantwortlich. Er prüft dazu auch die im Markt verfügbare Technologie und schlägt die für E-Commerce-Zwecke im Kontext der bestehenden Infrastruktur beste Hard- und Software vor. Grundlage davon bilden von ihm mit den zuständigen IT- und Service-Abteilungen oder Dienstleistern entwickelte Pflichten- und Lastenhefte.

Nicht zuletzt kommt daher seiner Kompetenz in der Mitarbeiterführung große Bedeutung zu. Dies ist um so wichtiger, als er in einem sehr dynamischen Umfeld Projekte koordinieren muss.

Was unterscheidet Fachwirt:innen von Kaufleuten?

In Europa wird die Bildung in einem Qualifikationsrahmen eingeordnet, der die unterschiedlichen Abschlüsse zwischen den Mitgliedsstaaten vergleichbar macht. Im Mai 2013 wurde diese Systematik als „Deutscher Qualifikationsrahmen“ bzw. DQR hierzulande eingeführt. Er ordnet fachliche und personale Kompetenz acht Niveaus zu. Fachkompetenz betrachtet dabei jeweils Wissen und Fertigkeiten, Personale Kompetenz die Sozialkompetenz und die Selbständigkeit.

Der DIHK hat die Niveaus des DQR in der obigen Grafik als Stufenleiter der Qualifizierung abgebildet. Daran ist erkennbar, dass dreijährige Ausbildungsberufe auf Niveau 4, Bachelor und Fachwirt auf Niveau 6 angesiedelt sind. Bei der Entwicklung eines Bildungsangebotes muss dargelegt werden, in welchem Maß und durch welche Inhalte die per DQR vorgesehenen Kompetenzen durch die Qualifizierung erreicht werden.

Was genau die erwarteten Kompetenzen sind, gibt die folgende Tabelle wieder:

Niveau 4

Über Kompetenzen zur selbständigen Planung und Bearbeitung fachlicher Aufgabenstellungen in einem umfassenden, sich verändernden Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen. 

Fachkompetenz

Personale Kompetenz

Wissen

Fertigkeiten

Sozialkompetenz

Selbständigkeit

Über vertieftes allgemeines Wissen oder über fachtheoretisches Wissen in einem Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen 

 

Über ein breites Spektrum kognitiver und praktischer Fertigkeiten verfügen, die selbständige Aufgabenbearbeitung und Problemlösung sowie die Beurteilung von Arbeitsergebnissen und -prozessen unter Einbeziehung von Handlungsalternativen und Wechselwirkungen mit benachbarten Bereichen ermöglichen.

Transferleistungen erbringen. 

 

Die Arbeit in einer Gruppe und deren Lern- oder Arbeitsumgebung mitgestalten und kontinuierlich Unterstützung anbieten

Abläufe und Ergebnisse begründen.

Über Sachverhalte umfassend kommunizieren. 

 

Sich Lern- und Arbeitsziele setzen, sie reflektieren, realisieren und verantworten. 

 

Niveau 6

Über Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben- und Problemstellungen sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet. 

Fachkompetenz

Personale Kompetenz

Wissen

Fertigkeiten

Sozialkompetenz

Selbständigkeit

Über breites und integriertes Wissen einschließlich der wissenschaftlichen Grundlagen, der praktischen Anwendung eines wissenschaftlichen Faches sowie eines kritischen Verständnisses der wichtigsten Theorien und Methoden (entsprechend der Stufe 1 [Bachelor- Ebene] des Qualifikationsrahmens für Deutsche Hochschulabschlüsse)

oder 

über breites und integriertes berufliches Wissen einschließlich der aktuellen fachlichen Entwicklungen
verfügen.

Kenntnisse zur Weiterentwicklung eines wissenschaftlichen Faches

oder

eines beruflichen Tätigkeitsfeldes besitzen. 

Über einschlägiges Wissen an Schnittstellenzu anderen Bereichen verfügen. 

Über ein sehr breites Spektrum an Methoden zur Bearbeitung komplexer Probleme in einem wissenschaftlichen Fach, (entsprechend der Stufe 1 [Bachelor-Ebene] des Qualifikationsrahmens für Deutsche Hochschulabschlüsse), weiteren Lernbereichen 

oder 

einem beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen.

Neue Lösungen erarbeiten und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Maßstäbe beurteilen, auch bei sich häufig ändernden Anforderungen

 

In Expertenteams verantwortlich arbeiten
oder
Gruppen oder Organisationen verantwortlich leiten

Die fachliche Entwicklung anderer anleiten und vorausschauend mit Problemen im Team umgehen. 

Komplexe fachbezogene Probleme und Lösungen gegenüber Fachleuten argumentativ vertreten und mit ihnen weiterentwickeln. 

 

Ziele für Lern- und Arbeitsprozesse definieren, reflektieren und bewerten und Lern- und Arbeitsprozesse eigenständig und nachhaltig gestalten. 

 

Der Vergleich zeigt, wie wachsende Berufserfahrung den Praktiker befähigt, Führungsaufgaben wahrzunehmen. Ebenso wird deutlich, dass der Fachwirt auf die dynamische E-Commerce-Branche im besonderen Maß zugeschnitten erscheint, weil der Umgang mit Transformation und Disruption eine Kernkompetenz darstellt. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Prüfung erhält der Fachwirt dafür auch das theoretisch-methodische Rüstzeug. 

Der Fortbildungs-Abschluss "Fachwirt" oder "Fachwirtin" ist gemäß DQR dabei gleichwertig, aber nicht gleichartig mit einem Bachelor-Abschluss an der Universität anzusehen. Die obige Grafik verdeutlicht diesen Unterschied. Um die Gleichwertigkeit zu unterstreichen, ist per Januar 2020 durch Bundesratsbeschluss die Möglichkeit eingeführt worden, bei Fachwirt-Abschlüssen die zusätzliche Bezeichnung "Bachelor Professional" zu ergänzen. Der Zusatz "Professional" beschreibt dabei die stärker auf die Berufspraxis zugeschnittene Ausprägung der Kompetenzen. Die Ergänzung der zusätzlichen Berufsbezeichnung erfolgt bei bereits erlassenen Fortbildungsberufen nicht automatisch, sondern muss von den zuständigen Berufsverbänden beantragt werden.

Der Fachwirt im E-Commerce trägt die zusätzliche Bezeichnung derzeit nicht.

Wie wird man E-Commerce-Fachwirt:in?

Anders als die dreijährige kaufmännische Ausbildung, bei der betriebliche und berufsschulische Lerninhalte und der nötige Zeitaufwand klar geregelt sind, kennt die Fortbildung zum Fachwirt bzw. zur Fachwirtin im E-Commerce nur eine Prüfungsordnung.

Die Prüfung besteht gemäß §9 der Verordnung aus einem schriftlichen und einem mündlichen Prüfungsteil.

  • Der schriftliche Prüfungsteil wiederum besteht aus zwei jeweils fünfstündigen Klausuren, bei denen die Aufgabenstellungen aus der betrieblichen Praxis abgeleitet und aufeinander abgestimmt sind. Jeder der vier o.g. Handlungsbereiche muss darin mindestens einmal situationsbezogen thematisiert werden.
  • Der mündliche Prüfungsteil besteht aus einer Präsentation, die sich auf einen der drei Handlungsbereiche "Entwickeln von Strategien für den E-Commerce", "Gestalten von Prozessen im E-Commerce" oder "Analysieren und Weiterentwickeln von Prozessen im E-Commerce" bezieht.
    Die Präsentation darf max. 10 Minuten dauern. Im anschließenden Fachgespräch von max. 20 Minuten Dauer weisen die angehenden Fachwirte nach, dass sie in der Lage sind, Probleme der betrieblichen Praxis zu analysieren, Lösungsvorschläge zu bewerten und Umsetzungsvorschläge zu begründen.

Der DIHK hat den Vorbereitungsaufwand für die Prüfung geschätzt, um den Interessenten und den unabhängigen Seminaranbietern einen Hinweis auf die reine Unterrichtszeit zu geben. Danach ergibt sich folgender Aufwand in Unterrichtsstunden (selbständige Vor- und Nachbereitung sowie eigene Lernzeiten kommen noch hinzu):

  1. Entwicklen von Strategien für den E-Commerce: 120 Unterrichtsstunden
  2. Gestalten von Prozessen im E-Commerce: 250 Unterrichtsstunden
  3. Analysieren und Weiterentwickeln von Prozessen im E-Commerce: 160 Unterrichtsstunden
  4. Kommunikation, Zusammenarbeit und Führung von internen und externen Partnern: 90 Unterrichtsstunden.

Hinzu kommen ca. 10 Unterrichtsstunden für Lern- und Arbeitsmethodik, so dass ein Gesamtaufwand von etwa 630 Unterrichtsstunden resultiert.

Der Unterricht wird abvon verschiedenen Instituten wie z.B. der Akademie Handel in Bayern oder der BZECOM, einer Tochter des Bildungszentrums des Einzelhandels BZE in Niedersachsen und auf dem mediacampus in Frankfurt angeboten. Eine Liste aller Angebote findet sich bei der DIHK Bildungs-GmbH.

Was kostet die Fortbildung?

Für die Teilnahme an den Vorbereitungskursen entstehen, anders als für die Berufsschule in der kaufmännischen Ausbildung, zusätzliche Kosten. Als anerkannter IHK-Fortbildungsberuf ist der Abschluss zur Fachwirtin bzw. Fachwirt im E-Commerce jedoch förderungsfähig gemäß Aufstiegs-Bafög.

Damit können Sie bis zu 75 % der Seminar- und Prüfungsgebühren mit dem Aufstiegs-BAföG sparen.

Förderfähig ist, wer:

  • die Prüfungszulassungsvoraussetzungen zum/zurFachwirt*in im E-Commerce erfüllt und
  • höchstens einen Abschluss auf Bachelor-Niveau vorweisen kann

Ein Vorbereitungskurs zum/zur Fachwirt*in im E-Commerce ist nach dem Aufstiegs-BAföG förderfähig, wenn:

  • dieser mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst
  • bei Vollzeitmaßnahmen je Woche an 4 Werktagen mindestens 25 Unterrichtsstunden oder
  • bei Teilzeitmaßnahmen je Monat im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden durchgeführt werden
  • der Anbieter ein zertifiziertesQualitätssicherungssystem besitzt (z. B. nach DIN ISO 9001:2015)

 

Aufbau der Förderung:

  1. Zuschuss über 50 Prozent der Fördersumme, der nicht zurückgezahlt werden muss
  2. Zinsgünstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über 50 Prozent der Fördersumme
  3. Bei Bestehen der Prüfung: 50 Prozent des zinsgünstigen Darlehens werden erlassen und müssen nicht zurückgezahlt werden

 

Berechnungsbeispiel vom Aufstiegs-BAföG zu den Seminargebühren:

 

Seminargebühren

4.800,00€

-

Zuschuss von 50 %

2.400,00€

=

über KFW-Darlehen zu finanzierende Summe

2.400,00€

-

Bei Bestehen der Prüfung werden 50 % des Darlehens erlassen

1.200,00€

=

insgesamt selbst zu bezahlende Gebühren

1.200,00€

=

Fördersumme = Sie sparen

3.600,00€

Weitere Informationen: https://www.aufstiegs-bafoeg.de