26.06.02 09:34
Euro Kartensysteme gefährdet E-Commerce in Deutschland bvh protestiert gegen Kündigung von Kreditkartenverträgen
Das E-Commerce-Geschäft in Deutschland wird derzeit durch die Kündigung bestehender Kreditkartenverträge massiv behindert. Einer der größten Anbieter, Euro Kartensysteme, reagiert auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Haftung für Zahlungsausfälle bei Kreditkarten mit der massenhaften, außerordentlichen Kündigung bestehender Verträge bei Versandhändlern zum 30. Juni 2002. Der BGH hatte in seinem Urteil klargestellt, daß die bisherig ausschließliche Haftung der Händler bei Zahlungsausfällen diese unzumutbar einseitig benachteiligt, also zukünftig auch die Kartenbetreiber bei der Haftung in die Pflicht genommen werden.
Völlig unverständlich die Reaktion der Kreditkartenwirtschaft insgesamt: B+S Card Service will auf das Urteil mit einer Verfassungsbeschwerde reagieren, Euro Kartensysteme kündigt kurzfristig bestehende Verträge und plant keine neuen Angebote. Statt mit seinen Partnern eine gemeinsame Lösung im Sinne eines interessengerechten Riskikoausgleichs zu suchen, gefährdet Eurocard die Existenz vieler Versandunternehmen, die auf das Zahlungsmittel Kreditkarte angewiesen sind. Eurocard spielt die Bankenmacht gerade bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen aus, denn gekündigt werden offenbar ausschließlich Verträge mit einem geringeren Umsatzvolumen.
Der bvh bezweifelt die Berechtigung der Sonderkündigungen durch Euro Kartensysteme und rät allen Mitglieder, auf Vertragserfüllung zu bestehen. Gleichzeitig bemüht sich der Verband um eine einheitliche Branchenlösung mit alternativen Anbietern. Gespräche mit Euro Kartensysteme zur Lösung des Problems sind bisher ergebnislos verlaufen.
Außerdem geht der Verband der Frage nach, ob die Kreditkartenwirtschaft nicht ihre marktbeherrschende Stellung mißbraucht. Durch den Ausfall des Zahlungsmittels Kreditkarte ist für einige Versandunternehmen, insbesondere kleinere E-Commerce-Händler, keine Fortsetzung ihrer Geschäftstätigkeit möglich. Sie können meist nicht gegen offene Rechnung liefern und sind dringend darauf angewiesen, daß der Kunde über seine Kreditkarte abrechnen kann. Der bvh hat daher das Bundeskartellamt gebeten, das Verhalten der Kreditkartenwirtschaft zu untersuchen.
Kurzinformation:
Seit 55 Jahren vertritt der BVH die Interessen der Versandhandelsbranche; mittlerweile gehören dem Bundesverband fast 200 kleine, mittlere und große Unternehmen des Katalog-, des Internet- und des Vertreter-Versandhandels (Direktvertrieb) an. Die deutsche Versandhandelsbranche setzte im Jahr 2001 rund 20,4 Milliarden Euro um; davon entfielen etwa 90 % auf Versandfirmen, die dem BVH angeschlossen sind.
http://www.versandhandel.org oder http://www.bvh-versandhandel.de
Dateien zum Download:
presse_26_06_02.pdf
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